Chinesische Lieferanten wechseln den eingetragenen Firmensitz mehrmals im Jahr. Ist das normal?
Frage
Als ich einen Elektronikzulieferer in Shenzhen prüfte, stellte ich fest, dass das Unternehmen in den letzten 12 Monaten seinen eingetragenen Firmensitz dreimal gewechselt hatte – jedes Mal in einen anderen Bezirk. Die Gegenseite erklärte, für die Geschäftserweiterung brauche man eine größere Fabrik, aber das kam mir merkwürdig vor. Was bedeutet es, wenn sich der eingetragene Firmensitz so häufig ändert?
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Ein dreimaliger Wechsel des eingetragenen Firmensitzes pro Jahr ist wirklich ungewöhnlich. Unternehmen, die sich normal entwickeln, wechseln ihren Sitz in der Regel schrittweise: von kleinen in größere Räumlichkeiten, von den äußeren Randbezirken in die Vororte. Drei Sitzverlegungen innerhalb eines Jahres – jede davon mit dem entsprechenden gewerberechtlichen Verfahren – deuten fast immer auf Gründe hin, die es wert sind, genauer untersucht zu werden.
Nach meiner Erfahrung stecken hinter häufigen Sitzwechseln meist folgende Gründe. Der erste ist die Flucht vor Schulden oder Zwangsvollstreckung. Wenn Gläubiger die Firma bedrängen und das Gericht Vermögenswerte pfänden will, ändern manche Unternehmen den eingetragenen Sitz, um den Eindruck zu erwecken, „die Firma sei leer und niemand mehr da", oder verlagern ihre Registrierung in eine andere Region, um die Beitreibung für die Gläubiger teurer zu machen. Der zweite Grund ist die Nutzung steuerlicher Anreize oder Subventionen. Da jeder Bezirk eigene Ansiedlungspolitik verfolgt, wechseln manche Unternehmen ihre Registrierung häufig, um Ansiedlungsprämien oder Steuererstattungen zwischen Bezirken einzustreichen. Diese Praxis ist für sich genommen wenig konform. Der dritte Grund: Briefkastenfirmen erzeugen gezielt Sitzwechsel-Einträge, um das Unternehmen „aktiv" erscheinen zu lassen. In Wirklichkeit ist jeder Sitzwechsel nur eine formale Umhängung – dahinter steckt keinerlei tatsächlicher Geschäftsbetrieb.
Um einzuschätzen, welcher Fall vorliegt, können Sie mehrere Gegenprüfungen vornehmen. Schauen Sie sich die Art der Anschrift vor und nach dem Wechsel an. Ist es jedes Mal eine virtuelle Adresse oder eine Business-Service-Adresse (jene kleinen Büros, in denen hunderte Firmen in einem Gebäude „hängen"), hatte das Unternehmen vermutlich nie einen festen Geschäftssitz.
Prüfen Sie, ob die angegebene Fabrikadresse mit der registrierten Adresse übereinstimmt. Viele Handelsfirmen geben sich als Fabrik aus: Die Registrierung läuft auf eine virtuelle Adresse, die Fabrik wird separat angemietet oder existiert schlicht nicht. Bitten Sie den Lieferanten um die Fabrikadresse und suchen Sie sie auf einer Karte. Als weiteres Indiz dient die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Wenn ein Unternehmen im Jahr dreimal umzieht, die Zahl der Versicherten aber weiterhin null ist, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine normal arbeitende Fabrik.
Schon ein einmaliger Umzug einer normalen Fabrik ist äußerst aufwendig. Drei Umzüge in Folge ohne Personalverlust ergeben keinen Sinn.
Bei der Auswahl eines Partnerlieferanten achte ich auf die Anzahl der Sitzwechsel. Mehr als zwei Wechsel in kurzer Zeit führen bei uns zur Einstufung als Risikokriterium. In Ihrem Fall empfehle ich, die andere Seite direkt nach den konkreten Gründen für jeden Wechsel und den entsprechenden Mietverträgen zu fragen. Wenn keine klare Erklärung oder kein Mietvertrag vorgelegt werden kann, sollte die Zuverlässigkeit des Lieferanten neu bewertet werden.
Andere fragen auch
Ist es in China üblich, dass der eingetragene Firmensitz vom tatsächlichen Produktionsstandort abweicht?
Diese Situation ist tatsächlich recht verbreitet; viele kleine und Kleinstunternehmen nutzen Cluster-Registrierungsadressen. Die im Handelsregister ausgewiesene Adresse ist nur eine formale Registrierungsanschrift und entspricht nicht unbedingt dem tatsächlichen Standort der Fabrik. Fragen Sie bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten unbedingt nach der tatsächlichen Produktionsadresse und lassen Sie sich die Räumlichkeiten im Idealfall per Video zeigen.
Wie erkennt man, ob ein Adresswechsel auf einen normalen Umzug oder auf den bewussten Versuch zurückgeht, Risiken zu vermeiden?
Prüfen Sie zunächst die Vermerke zu den Änderungseinträgen und achten Sie auf Auffälligkeiten in der Adresshistorie. Normale Umzüge sind meist mit Werkserweiterungen oder dem Wechsel in einen neuen Industriepark verbunden, während risikoreiche Unternehmen häufig mit Gerichtsverfahren oder Einträgen zur Unredlichkeit in Verbindung stehen. Bitten Sie, wenn möglich, um Fotos der Betriebsstätte oder machen Sie einen Online-Rundgang durch die Anlage, um Ihre Einschätzung zu untermauern.
Was führt dazu, dass ein Lieferant seinen eingetragenen Firmensitz mehrmals im Jahr ändert?
Zu den legitimen Gründen zählen der Abriss der Fabrik, der Umzug in einen anderen Industriepark oder eine Verlagerung wegen Firmenexpansion. Zu den ungünstigen Fällen gehören betriebliche Unregelmäßigkeiten, der Eintrag einer „abnormen Adresse" oder ein erzwungener Wechsel der Registrierungsanschrift. Sie können die Änderungshistorie des Unternehmens einsehen, um zu prüfen, ob vor oder nach dem Wechsel Verwaltungssanktionen verzeichnet sind.